WARSCHAU — Angesichts der anhaltenden geopolitischen Instabilität an den Außengrenzen und dem strategischen Rückzug der USA aus der europäischen Sicherheitsarchitektur hat die Europäische Union einen historischen Schritt vollzogen. In Warschau unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der 27 Mitgliedsstaaten heute das Abkommen zur Gründung der “Europäischen Schnellen Eingreiftruppe” (European Rapid Response Force – ERRF), die den Kern einer künftigen EU-Armee bilden soll.
Mehr als nur Symbolik Anders als frühere Versuche (“Battlegroups”), die oft an bürokratischen Hürden scheiterten, verfügt die ERRF über ein echtes, gemeinsames Hauptquartier in Brüssel und, noch wichtiger, über ein gemeinsames Budget. 50.000 Soldaten aus Deutschland, Frankreich, Polen und den Niederlanden werden permanent unter europäischem Kommando stehen, ausgestattet mit standardisiertem Gerät. Das Chaos der verschiedenen Waffensysteme soll ein Ende haben; künftig kauft Europa gemeinsam ein.
Strategische Autonomie “Wir emanzipieren uns, ohne die NATO zu verlassen”, betonte der deutsche Verteidigungsminister. Die neue Truppe soll in der Lage sein, Krisen in der europäischen Nachbarschaft – etwa in Nordafrika oder auf dem Balkan – eigenständig zu bewältigen, ohne auf amerikanische Logistik angewiesen zu sein. Dies beinhaltet eigene Satellitenaufklärung, Lufttransportkapazitäten und Cyber-Abwehr-Einheiten.
Gemischte Reaktionen Während die baltischen Staaten und Polen den Schritt als notwendige Abschreckung begrüßen, gibt es in neutralen Staaten wie Österreich und Irland innenpolitische Debatten über die Vereinbarkeit mit ihrer Verfassung. Doch der Druck der Realität war stärker als die Bedenken. Mit der ERRF signalisiert Europa, dass es bereit ist, “die Sprache der Macht zu lernen”, wie es der EU-Außenbeauftragte formulierte. Die Welt schaut nun gespannt auf die erste Übung dieser neuen Streitmacht, die für das Frühjahr 2026 im Mittelmeer angekündigt ist.