DUISBURG — Es ist ein historischer Moment für die deutsche Industriegeschichte. Am gestrigen Mittwoch wurde der erste 400-Kilometer-Abschnitt des nationalen “Wasserstoff-Kernnetzes” offiziell in Betrieb genommen. Nach Jahren der Planung und der Umwidmung alter Erdgasleitungen fließt nun erstmals grüner Wasserstoff in großem Maßstab von den Import-Terminals und Windparks im Norden direkt in die industriellen Herzkammern im Ruhrgebiet.
Die Entkarbonisierung der Schwerindustrie Dieses Infrastrukturprojekt gilt als das Rückgrat der deutschen Klimaneutralität. Jahrelang stand die Frage im Raum, wie energieintensive Industrien wie die Stahl- und Chemieproduktion ohne fossiles Erdgas überleben können. Die Antwort strömt nun durch die Röhren. „Dies ist der Tag, an dem ‘Grüner Stahl’ von einem Marketingbegriff zu einer wirtschaftlichen Realität wird“, erklärte ein Sprecher der Stahlindustrie. Die Hochöfen, die bisher Unmengen an CO2 ausstießen, werden nun schrittweise auf die Direktreduktion mit Wasserstoff umgestellt.
Unabhängigkeit durch Diversifizierung Das Netz wird nicht nur durch heimischen Windstrom gespeist. Parallel zur Eröffnung werden internationale Energiepartnerschaften aktiviert, die grünen Wasserstoff aus Südeuropa und Afrika importieren. Kritiker hatten lange vor den hohen Kosten gewarnt, doch angesichts der stabilen Wasserstoffpreise und der volatilen CO2-Steuern scheint sich die Wette der Bundesregierung auszuzahlen. Das Jahr 2026 wird zeigen, ob die Transformation auch in der Breite gelingt und ob der Mittelstand schnell genug angebunden werden kann.