BERLIN — Nach den verheerenden Sturzfluten des Sommers 2024, die U-Bahnhöfe fluteten und Keller in ganz Mitte zerstörten, zog der Berliner Senat die Notbremse. Heute, knapp 18 Monate später, präsentiert die Hauptstadt stolz die Ergebnisse ihrer radikalen Umbaumaßnahme zur “Schwammstadt” (Sponge City). Berlin gilt nun als europäisches Modellprojekt für urbane Resilienz gegen den Klimawandel.
Weg mit dem Asphalt Das Prinzip ist simpel, aber die Umsetzung war brutal: Wasser soll nicht so schnell wie möglich in die Kanalisation geleitet werden, sondern in der Stadt verbleiben, versickern und verdunsten. Tausende Parkplätze wurden entsiegelt und in “Versickerungsmulden” umgewandelt. Dächer von öffentlichen Gebäuden wurden begrünt, um Regenwasser zu speichern. Der Alexanderplatz, einst eine Betonwüste, ist heute kaum wiederzuerkennen: Ein Drittel der Fläche wurde aufgebrochen und mit tiefwurzelnden Bäumen und speicherfähigem Substrat bepflanzt.
Doppelter Nutzen: Hitze und Flut Die Maßnahmen zeigen bereits Wirkung. Messdaten des Deutschen Wetterdienstes bestätigen, dass die Durchschnittstemperatur in der Innenstadt während der Hitzewellen im August 2025 um fast 2 Grad niedriger lag als in den Vorjahren – ein direkter Effekt der Verdunstungskälte. Gleichzeitig blieb die Kanalisation bei den schweren Herbststürmen entspannt, da die städtischen Flächen das Wasser wie ein Schwamm aufsogen und nur langsam abgaben.
Ein neues Lebensgefühl Die Transformation hat auch das soziale Gefüge verändert. Die neuen Grünflächen und Wasserbassins sind zu Begegnungsorten geworden. Zwar gab es anfangs massive Proteste der Autofahrerlobby gegen den Wegfall von Parkraum, doch die steigende Lebensqualität hat die Stimmung gedreht. Immobilienpreise an den entsiegelten “Klima-Boulevards” sind gestiegen, und der Einzelhandel profitiert von der höheren Aufenthaltsqualität. Berlin hat bewiesen, dass Klimaanpassung nicht Verzicht bedeuten muss, sondern eine Aufwertung des urbanen Raums sein kann.