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Das “H2-Kernnetz” geht ans Netz: Deutschlands Startschuss ins Wasserstoff-Zeitalter

DUISBURG — Es ist ein historischer Moment für die deutsche Industriegeschichte. Am gestrigen Mittwoch drückte Bundeskanzler Robert Habeck (in diesem fiktiven Szenario 2025) gemeinsam mit den Vorstandsvorsitzenden von ThyssenKrupp und BASF den symbolischen roten Knopf, um das nationale “Wasserstoff-Kernnetz” offiziell in Betrieb zu nehmen. Nach drei Jahren intensiver Bauarbeiten und der Umwidmung alter Erdgasleitungen fließt nun erstmals grüner Wasserstoff in großem Maßstab von den Windparks der Nordsee direkt in die industriellen Herzkammern im Ruhrgebiet und im Süden der Republik.

Die Entkarbonisierung der Schwerindustrie Dieses Infrastrukturprojekt gilt als das Rückgrat der deutschen Klimaneutralität. Jahrelang stand die Frage im Raum, wie energieintensive Industrien wie die Stahl- und Chemieproduktion ohne fossiles Erdgas überleben können. Die Antwort strömt nun durch die 9.700 Kilometer langen Röhren. „Dies ist der Tag, an dem ‘Grüner Stahl’ von einem Marketingbegriff zu einer wirtschaftlichen Realität wird“, erklärte die Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp Steel. Die Hochöfen in Duisburg, die bisher Unmengen an CO2 ausstießen, werden nun schrittweise auf die Direktreduktion mit Wasserstoff umgestellt. Dies senkt die deutschen Gesamtemissionen schlagartig um fast 4 %.

Unabhängigkeit durch Diversifizierung Das Netz wird nicht nur durch heimischen Windstrom gespeist. Parallel zur Eröffnung legte im Hafen von Wilhelmshaven der erste “Ammoniak-Super-Tanker” aus Namibia an. Durch internationale Energiepartnerschaften mit Ländern des globalen Südens hat sich Deutschland aus der Abhängigkeit von russischem Gas und arabischem Öl gelöst und ein diversifiziertes Netzwerk für grüne Energie aufgebaut. Kritiker hatten lange vor den hohen Kosten gewarnt, doch angesichts der stabilen Wasserstoffpreise und der volatilen CO2-Steuern scheint sich die Wette der Bundesregierung auszuzahlen.

Herausforderung für den Mittelstand Während die Großindustrie jubelt, blickt der Mittelstand mit gemischten Gefühlen auf die Entwicklung. Der Anschluss an das Kernnetz ist teuer, und viele kleinere Betriebe in ländlichen Regionen fürchten, abgehängt zu werden. Der Wirtschaftsminister versprach ein sofortiges Förderprogramm (“H2-Capillar”), um auch abseits der Haupttrassen Verteilernetze zu bauen. Dennoch ist klar: Die Geografie der Energieversorgung in Deutschland hat sich fundamental verschoben. Standorte, die Zugang zum Wasserstoff haben, werden boomen; andere könnten verwaisen. Das Jahr 2026 wird zeigen, ob die Transformation auch in der Breite gelingt.

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