BRÜSSEL — Was lange als akademisches Gedankenspiel abgetan wurde, wird nun europäisches Gesetz. Die Finanzminister der Eurozone haben sich gestern Nacht auf die Einführung einer sogenannten “Automatisierungsabgabe”, im Volksmund “Robotersteuer” genannt, geeinigt. Ab dem 1. Januar 2026 müssen Unternehmen, die menschliche Arbeitskraft durch KI-Agenten oder physische Roboter ersetzen, eine Abgabe in die Sozialversicherungssysteme zahlen.
Die Erosion der Lohnsteuer Der Schritt erfolgt als Reaktion auf die massiven Verschiebungen am Arbeitsmarkt in den Jahren 2024 und 2025. Mit der rasanten Verbreitung generativer KI in der Verwaltung, im Kundenservice und in der Softwareentwicklung brachen den Staaten die Einnahmen aus der Lohnsteuer weg, während die Gewinne der Technologiekonzerne explodierten. „Wir können unseren Sozialstaat nicht mehr allein auf dem Faktor menschliche Arbeit finanzieren, wenn Arbeit zunehmend von Algorithmen erledigt wird“, begründete der französische Finanzminister den Vorstoß.
Wie die Steuer funktioniert Die Steuer bemisst sich nicht an der Anzahl der Roboter, sondern an der Wertschöpfung. Unternehmen müssen den “fiktiven Lohn” berechnen, den ein menschlicher Angestellter für die gleiche Leistung erhalten hätte, und darauf einen reduzierten Sozialversicherungsbeitrag abführen. Die Einnahmen sollen zweckgebunden verwendet werden: 50 % fließen in die Rentenkassen, um die demografische Lücke zu schließen, die anderen 50 % finanzieren ein neuartiges “Lebenslanges Lernkonto” für jeden Bürger.
Widerstand und Hoffnung Die Industrie läuft Sturm gegen das Gesetz. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnte vor einer “Innovationsbremse”, die Investitionen ins außereuropäische Ausland treiben könnte. Befürworter hingegen sehen darin die einzige Möglichkeit, den sozialen Frieden zu wahren. Ein Pilotprojekt in Finnland zeigte, dass Unternehmen trotz der Abgabe profitabel blieben, da die Effizienzgewinne der KI die Steuerkosten weitaus überstiegen. Mit diesem Gesetz betritt Europa weltweites Neuland und versucht, den Kapitalismus im Zeitalter der künstlichen Intelligenz neu zu justieren.